

Stein-Koloss im freien Fall
Vor den Augen Dutzender Schaulustiger wurde gestern der Schornstein der Alexanderwerk AG gesprengt. Jetzt ist Platz für weitere Gewerbebetriebe.
„Wann geht’s denn los?“, fragt der kleine Robert ungeduldig, während ihm sein Vater die Kapuze noch ein wenig tiefer ins Gesicht zieht. „Gleich“, tröstet der. Trotz strömenden Regens hatten sich gestern Mittag Dutzende Schaulustige an der Werkzeugtrasse eingefunden, um die Sprengung des Schornsteins der Alexanderwerk AG zu verfolgen. Das alte Kesselhaus und der dazugehörige Turm mussten weichen, um neuen Gewerbebetrieben Platz zu machen.
Das Publikum musste nicht lange auf das sehenswerte Ereignis warten. Zur Warnung gab’s Sirenengeheul, dann folgte ein kurzer Knall an der Basis des Schornsteins, gedämpft von dicken Matten. Das fast 40 Meter hohe Bauwerk knickte zunächst in der Mitte ein, um dann mit einem dumpfen Wummern zu Boden zu gehen. Eine große Staubwolke hüllte die Trümmer für kurze Zeit ein, doch schon während des Falls wurde klar: Das war saubere Arbeit. Für die Punktlandung – die Fallrichtung war von Sprengmeister Jürgen Bauer zuvor genau ausgerechnet worden – gab’s von den Umstehenden Applaus. Und auch der Fachmann zeigte sich zufrieden: „Hat alles bestens geklappt“, urteilte Jürgen Bauer.
Firmensitz wird zum Gewerbehof
Die Sprengung des Schornsteins ist nur ein Teil der Arbeiten, die zur Wiederherrichtung der Brache notwendig sind. Seit Anfang vergangenen Jahres ist das 27 000 Quadratmeter umfassende Alexanderwerk-Gelände Eigentum der Kölner Baucon Grundbesitz GmbH. Das Alexanderwerk nutzt nur noch 12.000 Quadratmeter, die es von der Baucon zurück gemietet hat. In bis dahin leer stehende Werkhallen sind mittlerweile 15 hauptsächlich Metall verarbeitende Betriebe eingezogen. So wurde das Gelände nach und nach zu einem Gewerbehof umgestaltet, berichtet Baucon-Geschäftsführer Frank Stommel.
Das Kesselhaus mit seinem Schornstein, von dem aus das Alexanderwerk früher einmal beheizt worden war, war jedoch zu baufällig, um es noch sanieren zu können, sagt Stommel. Durch Abbruch und Sprengung wird nun ein 8000 Quadratmeter großes Grundstück frei, auf dem noch eine Senke verfüllt werden muss. Ist auch das in voraussichtlich drei bis vier Monaten erledigt, wird das Gelände vermarktet – und zwar ausschließlich an Gewerbetreibende. Eine Wohnbebauung ist nicht geplant.
Stommel ist zuversichtlich, schon bis Ende dieses Jahres neue Nutzer zu finden. Die Lage des Geländes sei verkehrsgünstig. Auch er gehörte zu den Schaulustigen, die die Sprengung des Schornsteins beobachteten: „Das war auch für mich nicht alltäglich.“
Quelle: RP Online 17.07.08