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Das Alexanderwerk: Aus der Krise an die Spitze auf dem Weltmarkt


Für Pillenpulver und Katzenstreu


Der Remscheider „PowerPactor 150“ verdichtet mehlige Masse und macht Produktionsprozesse wesentlich effektiver.


von Thomas K. Slotwinski

Remscheid. Wer schon einmal eine halbe Kopfschmerztablette nehmen wollte, der wird sich gefragt haben, ob denn auch wirklich in der auserkorenen Hälfte der lindernde Wirkstoff ist. Sind die Grundstoffe der Tablette während des Produktionsprozesses durch den „PowerPactor 150“ gelaufen, so kann sich der Patient sicher sein, dass er auf jeden Fall die richtige Hälfte nimmt. Denn die Maschine sorgt dafür, dass sich die Wirkstoffe gleichmäßig auf die ganze Tablette verteilen.

Von der eigenen Kreation begeistert


Doch das ist nicht der einzige Vorteil der neuesten Entwicklung aus dem Hause Alexanderwerk. „Unser aktuelles Modell hat eine drei mal so hohe Antriebstechnologie wie die bisherigen Varianten“, lobt Carsten Finster das eigene Produkt. Der Leiter der Konstruktions- und Entwicklungsabteilung beim Remscheider Maschinenhersteller ist spürbar begeistert: von der technischen Kreation, aber auch von der großen Resonanz, die der „PowerPactor 150“ unlängst auf der internationalen Messe Achema 2006 in Frankfurt erhielt.

Zahlreiche Vertreter hochkarätiger Chemie- und Pharma-Unternehmen aus der ganzen Welt zeigten sich stark interessiert an der Maschine, die das ursprünglich sehr staubige Pulver verkleinert und verdichtet. So ist es besser zu verarbeiten.

Und das gilt nicht nur für Tablettenpulver. Der „PowerPactor“ verdichtet auch Waschmittel, Zucker und Katzenstreu. Ganz nach den individuellen Bedürfnissen.

„Wir haben Gespräche von sehr hoher Qualität geführt“, berichtet Carsten Finster. „Da gab es schon ganz konkrete Anfragen.“ Und die, so erwarten Vorstand Axel Eversberg und Aufsichtsratsvorsitzender Franz-Bernd Daum, sollen alsbald in konkrete Abschlüsse münden.

Wobei im Remscheider Alexanderwerk in langfristigen Dimensionen gedacht wird. „Ein solches Gerät nimmt man nicht mal eben so mit“, erklärt Eversberg. „Das sind Maschinen, die in neue Produktionsstraßen eingebaut werden. Das hat dann schon eine Vorlaufzeit von zwei bis drei Jahren.“

Doch selbst ohne die zu erwartenden Geschäfte von der Frankfurter Messe können Daum und Eversberg über deutlich gestiegene Umsätze berichten. „Das neue Jahr steht unter einem wesentlich besseren Stern als 2003 oder 2004“, berichtet der Alexanderwerk-Chef. „Mittlerweile bekommen wir schon wieder Aufträge aus Deutschland und nicht nur aus dem Ausland.“ Unlängst hatte gar der Ludwigshafener Chemieriese BASF eine stattliche Bestellung in Remscheid abgegeben. „Das hat es seit Jahren nicht mehr gegeben“, ist Axel Eversberg beeindruckt.

Entscheidend für die Zukunft am Remscheider Kremenholl ist die konsequente Profilierung als Vorreiter in Sachen Entwicklung und Technologie: Ein globales Geschäft. „Wir haben weltweit zwei ernstzunehmende Konkurrenten“, berichtet Chef-Entwickler Finster. „Die beobachten uns genau, wir sie aber auch.“

Und einschüchtern lassen sich die Alexanderwerker schon gar nicht. Im Gegenteil. Schon wird am nächsten Projekt gearbeitet: der Brennstoff-Herstellung durch Biomasse. Für die Produkterprobung wurde eine deutsche Universität als Partner gewonnen, deren Namen das Management allerdings nicht preisgeben möchte.

Remscheider Käsehobel zerkleinert in Sekunden


Die neueste Innovation aus dem Remscheider Technikum soll möglichst schnell auf den Markt kommen, „bevor der Ölpreis wieder sinkt“, wie Aufsichtsratschef Daum nur halb im Scherz anmerkt.

Immer neue Wege beschreitet das Alexanderwerk auch bei einem klassischen Produktionszweig: Maschinen für den Gastronomiebedarf. So wurde erst unlängst einer gewaltiger Käseschneider an den Tiefkühlkost-Riesen Dr. Oetker verkauft. Der Remscheider Käsehobel zerkleinert gewaltige Rohmasseblöcke binnen Sekunden in die feinen Käsestreifen, die wir als Pizza-Belag kennen. Und das rund um die Uhr.

Die Maschine ist gerüstet, im Sieben-Tage-Betrieb zu arbeiten. Und das mindestens 25 Jahre lang. Wie alle Produkte aus dem Hause Alexanderwerk. „Das ist eigentlich schon viel zu lange“, meint Vorstand Axel Eversberg. Diesmal aber wirklich im Scherz.