

01. Sept. 2005
Im Alexanderwerk geht der Blick nach vorne
Neue Vertriebswege sorgen für mehr Umsatz: Vorstand berichtet Aktionären von aussichtsreichen Umorganisationen
von Thomsa K. Slotwinski
Nach einem ganzen Bündel detaillierter Fragen, legte Franz-Bernd Daum die ihm eigene Gelassenheit ab.“Als wir vor einem Jahr hier gesessen haben,war die Insolvenz wahrscheinlicher als der Fortbestand des Unternehmens.“ erinnerte der Aufsichtsratsvorsitzende an die außerordentliche Hauptversammlung des Alexanderwerkes 2004. „Dass wir heute positive Zahlen schreiben, ist vor allem auf die hervorragenden Leistungen des Vorstandes zurückzuführen.“
Lobende Worte für Axel Eversberg, der am 17.Mai 2004 das Steuer im Remscheider Traditionsunternehmen übernommen hatte. Damals sah es nicht gut aus für den Hersteller von Maschinen für die chemische Industrie und den Nahrungsmittelsektor. Im Vorjahr klaffte ein 1,8 Millionen-Loch in der Bilanz, die Verluste hatten die Hälfte des Grundkapitals aufgezehrt. Nicht nur die Kunden hatten ihr Vertrauen verloren, sondern auch die Banken, die ihre Kreditlinien zum 30. Juni 2004 gekündigt hatten.
Viel Arbeit also für Eversberg, der im Mai Hans Rudi Küfner ablöste, wie auch für den neuen Aufsichtsratschef Daum. Bei der gestrigen Hauptversammlung berichtete der Vorstand von den ersten Erfolgen der Restrukturierungsbemühungen, die er euphoriscch „Meilenstein“ nannte.
Neben positiven Änderungen, wie einem komplett überarbeiteten Marktauftritt, einem aufgestockten Vertriebsteam und einer neuen Mannschaft im wichtigen Markt USA, berichtete Eversberg auch von schmerzhaften Einschnitten: 30 Beschäftigte mussten in eine sogenannte Transfergesellschaft überführt werden. Mittlerweile ist die Beschäftigtenzahl von 158 auf 112 geschrumpft. Die Personalkosten wurden um 18,9 Prozent reduziert.
Für das laufende Jahr erwartet Axel Eversberg einen Umsatz von 15 Millionen Euro. Damit wären die Dimensionen erreicht, die vor dem Krisenjahr 2003 erzielt worden waren. Dass in der Jahresrechnung 2004 immer noch keine schwarzen Zahlen geschrieben werden, erklärte der Alexanderwerk-Chef mit einmalig anfallenden Kosten für Abfindungen, die Transfergesellschaft und die Reorganisation des Unternehmens.
Ertragsverbesserungen erwartet er auch durch weitere Grundstücksverkäufe. Von den insgesamt 95 000 Quadratmetern Betriebsgelände hat jetzt Aldi 6250 Quadratmeter für einen neuen Supermarkt erstanden. Weitere Lebensmittelketten hätten ebenfalls ihr Interesse am Flächenerwerb anemeldet. „Da bleibt nur die Frage, ob die Stadt das genehmigt.“
Trotz einer insgesamt positiven Prognose für die Zukunft des Werkes hinterfragten mehrere Aktionäre sehr ausführlich die aktuelle Geschäftspolitik. Aufsichtsratschef Daum, selbst Wirtschaftsprüfer, warb indes vehement um Vertrauen: „Ich habe noch nie eine Restrukturierung begleitet, in deren Laufzeit die Verschuldung deutlich zurückgegangen ist.“